Nichts wie weg

Wir mussten heute viel Geld umtauschen. Da es zu gefährlich ist mit so viel Uganda Shilling in der Stadt unterwegs zu sein, man fällt wegen der großen Menge Geldscheine, schnell auf, hat uns das Hotel ein Taxi zur Verfügung gestellt.

Nicht D. holte uns um 9 Uhr am Hotel ab, sondern sein Angestellter, kam um 10 Uhr.
Bei D. im Büro angekommen, saß dort bereits sein Personal, insgesamt vier Angestellte von ihm. D. saß an seinem großen Schreibtisch, schob eine Stunde lang die Papiere und den Laptop von der einen Ecke in die andere und sagte kein Wort.

Dann auf einmal fing D. an alle Absprechen von gestern Abend in Frage zu stellen. Ihm und seinem Angestellten guckten die Dämonen aus den Augen. Es ging ziemlich heiß her.
Mit Rossi hatte ich vor dem Meeting abgemacht, dass ich nur etwas sage, wenn er mich auffordert. Er kennt sich besser mit der Kultur aus und weiß damit umzugehen.
Aber nach zwei Stunden ist mir dann der Kragen geplatzt: ich bin aufgestanden und zu D. Schreibtisch gegangen und haben ihn zurechtgewiesen und ihn gefragt was er für ein CEO ist, wenn jemand anderes ihm vorschreibt was er sagen soll. D. Blick wurde immer wüster.

Ich bin dann zurück auf meinen Stuhl, neben Rossi und habe ihm gesagt, dass ich jetzt gehe, ich halte das nicht mehr aus.
Auf dem Weg nach unten, vom 1. OG zum EG, habe ich mir ordentlich den Fuß verknackst. Es schmerzte sehr. Ich bin zum Auto gehumpelt, wo Flory wartete. Ich habe ihm erzählt was oben passiert. Wir haben nur gebetet. Immer wieder haben wir auf die Uhr geschaut: 3 Stunden, 3,5 Stunden … nach insgesamt 6 Stunden kam Rossi runter und sagte „Jürgen, wir haben ein Problem.“

Ich wusste, jetzt ist nicht die Zeit zu diskutieren. Wir haben zu wenig Geld, sagte Rossi. Uns blieb nicht anders übrig als zur Bank zur fahren und Geld umzutauschen. Bargeld hatten wir kaum noch, aber drei Kreditkarten – eine hatte Rossi, eine hatte ich und eine von IWFA.
Beim ATM (Bankomat – All Time Money) der ersten Bank angekommen, steckte ich die VISA-Karte von IWFA rein. Es kam die Meldung, dass das Limit bei 3.000.000 UGX liegt. Das passt genau, dachte ich, denn wir brauchen insgesamt 9.000.000 UGX. Drei Karten je 3.000.000 UGX ergibt 9.000.000 UGX.
Weit gefehlt, die Karte von IWFA gab überhaupt kein Geld raus und meine private nur 2.000.000 UGX. Dann steckte Rossi seine rein. Er bekam kein Geld, denn wie sich herausstellte, war kein Geld mehr im ATM. Wir gingen zur Bank rein, aber dort hatte man auch kein Geld mehr.

Es blieb uns also nichts anderes übrig als zur nächsten Bank zu fahren. Dort hat man alle unseren drei Karten nicht akzeptiert. Auf ging es zur dritten Bank. Dort bekam Rossi noch etwas Geld. Mehr war nicht drin. Wir hatten also nicht genug Bargeld, um die Rechnung komplett zu bezahlen.

Gestern Abend hatten wir ausgemacht, keine Nacht länger in der Stadt zu bleiben. So nach dem Motto, wenn ihr in einer Stadt nicht willkommen seid, schüttelt den Staub von euren Füßen und geht weiter.
Ich sagte zu Rossi, dass er die Sekretärin fragen kann, ob sie uns eine Rechnung für den Restbetrag schreibt. Das wäre zumindest professionelles Business. Ich habe mir vorgenommen nicht zum Teufel ins Büro zu gehen.

Rossi organisierte eine Rechnung. Wir waren aus dem Schneider. Mittlerweile war es nach 16 Uhr. Die geplante Einweihung ist schon lange dahin. Es war der Plan von D., dass es so kommt. Er wollte ins geheim nicht, dass wir bzw. Rossi bei der Einweihung eine Andacht wie bei der Primary School halten. Deleo ist Pastor in der Anglikanischen Kirche und dann so ein Verhalten. Kein Kommentar.

Er ließ es sich nicht nehmen uns persönlich zum Hotel zurückzufahren. Sein Gesichtsausdruck hatte sich geändert: wieder freundlich, da er sein (ungerechtfertigtes) Geld bekommt. Es war widerlich. Als wir ankamen habe ich schnell meine Koffer geholt und in unser bereitstehendes Taxi geladen. Ich sagt mir „Ich gebe dem Teufel (D.) nicht die Hand.“ In dem Moment dachte ich an das Buch „Handschlag mit dem Teufel“ von einem UN-General, der beim Genozid in Ruanda die UN-Truppen befehligte.

Wir fuhren dan mit dem Taxi durch die Nacht nach Arua. Fahrtzeit etwa sechs Stunden. Streckenweise waren wir mit 140 km/h unterwegs.
Wir hatten kein Geld mehr. Rossi schlief auf dem Beifahrersitz ein und ich saß auf dem Rücksitz und habe eine Lagebeschreibung an IWFA-Mitglieder geschickt.

Einige Gemeindemitglieder der Abundant Life Church Edmonton, wo Rossi einige Jahre Mitglied war haben für uns gebetet und gesehen was wir durchmachen. Sie hatten $1000 vom letzten Gottesdienst übrig und uns geschickt. Damit konnten wir das Taxi, Hotel, Essen usw. für die nächsten Tage bezahlen.

Gegen 22 Uhr kamen wir beim Golden Court Hotel in Arua an und bestellten uns etwas zu essen. Wir hatten seit 14 Stunden nichts gegessen. Ich bestellte ein größten Burger. Der Burger war größer als Frust des Tages – 75% habe ich geschafft. Zu einem ausgeglichenem Besäufnis braucht es in jeder Hand ein Bier und einen Whisky. Am Tisch schwiegen wir uns nur an. Dieser Tag und die Tage davor waren sehr anstrengend. Rossi meinte, dass er so etwa in zwanzig Jahren Afrika noch nicht erlebt hat.
Danach gingen wir ins Bett und schliefen in Ruhe und in Sicherheit.

Golden Court Hotel in Arua; iPhone 12 mini

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